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Stationäre Einrichtung „Schwalbennest“

Die Zielgruppe

Ziel unserer Einrichtung ist es, den Kindern einen sicheren Ort zu bieten, in dem sie sich zurechtfinden, orientieren und gemäß den „Normvorstellungen“ leben können. Wir vermitteln ihnen ein Verständnis dafür, was Trauma bewirken kann und wodurch es ausgelöst wird, um zu lernen, dass dies nicht „geheilt“ werden kann, sondern dass es möglich ist, mit der Traumatisierung  zu leben. Wir legen unseren Schwerpunkt darauf, die Kinder in die Gesellschaft zu integrieren, ihnen wichtige, lebensnotwendige Mechanismen und Ressourcen an die Hand zu geben, damit sie ein lebenswertes und selbstwirksames Leben führen können. Wir stellen, neben der Arbeit mit anderen Institutionen und Behörden, selbstverständlich auch die Arbeit mit der Familie und ihren Angehörigen sicher. Die Arbeit mit der Familie spielt bei einer möglichen Rückführung eine große Rolle. Für die Kinder selbst, werden wir zusätzlich sorgen in Form von:

  • Kindergartenbesuch
  • Schulbesuch
  • sozialen Kontakten (Vereinen (Netzwerk), anderen Hilfeformen
  • einer guten Vernetzung zu externen TherapeutenInnen / Beratungsstellen usw.
  • Krisenbewältigung mit Aufbau von Strategieentwicklung
  • Reflexionsbereitschaft und Austausch von Problemen in der Gruppe, anhand gemeinsamer Gespräche.

Folgende Inhalte werden einmal in der Woche fester Bestandteil des Wochenplans sein, um die Transparenz zu sichern. 

  • Erweiterung der Frustrationstoleranz durch Erkennen der gelernten Verhaltensmuster des Kindes
  • Steuerung der eigenen Aggressionen mit Unterstützung eines Anti-Aggressionstrainers
  • Erstellung eines positiven Selbstbildes durch unsere Gruppenangebote ( Seite 10)
  • Erlernen und Umsetzung von Verantwortung, Empathie und Wertschätzung.

Wir bieten 6 Aufnahmeplätze. Alle Aufnahmeplätze sind nach §35a SGB VIII möglich.

Fachliche Ausrichtung der Leistung und angewandte Methodik

Wir arbeiten grundsätzlich aus einem ressourcenanalytisch-systemischen, lösungsorientierten Ansatz heraus.

Einen Schwerpunkt unserer Arbeit bildet unser traumapädagogisches Verständnis.

Dieses beinhaltet:

  • Die Annahme des guten Grundes für ihr Verhalten, die Würdigung und Wertschätzung dieser notwendig gewordenen Verhaltensweisen sind ein entscheidender erster Schritt, den Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, ihr belastendes Verhalten im Kontext seiner Notwendigkeit zu reflektieren und möglicherweise alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.  Das intensive und wiederholte Erleben von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Willkür führt bei Kindern und Jugendlichen dazu, dass sie keinen Sinn und keinen Wert in sich und ihrem Handeln sehen können. Sie übertragen Gefühle, Gedanken und Beziehungsinhalte der traumatisierenden Situationen immer wieder auf aktuelle Situationen. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich und das, was sie tun, mehr und mehr wieder als wertvoll zu erleben. Dort anzusetzen, wo Stärken vorhanden sind, ermöglicht es, sich selbst mit seinen Fähigkeiten zu erleben und sich selbst wieder schätzen zu lernen.
  • Die Traumapädagogik gestaltet einen sicheren Rahmen, in dem den Kindern und Jugendlichen der Aufbau eines positiven Selbstbildes ermöglicht wird, um ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbewusstsein wachsen zu lassen. Neben dieser erforderlichen Korrektur nicht funktionaler Einstellungen und Überzeugungen besteht die Notwendigkeit, das Geschehen in die eigene Lebensgeschichte einzuordnen und traumatische Erinnerungsebenen selbst zu regulieren. 
  • Zu den Methoden, die wir einsetzen, gehören das Erlernen von Selbstregulation, z.B. durch den Notfallkoffer. Es wird in der Einrichtung einen Raum geben, in dem sich die Kinder, z.B. mit Schaumstoffwürfeln, Decken etc., einen äußeren sicheren Ort gestalten können, indem sie das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit erfahren können. Ein innerer sicherer Ort wird durch Imaginationsübungen unterstützt.
  • Die strukturierte Trauma-Intervention (nach Dorothea Weinberg ) ist eine schonende Form der Trauma-Exposition. Dies ist eine Interventionsform, die vom Kind weniger Konzentration und Durchhaltevermögen verlangt. Jüngere Kinder empfinden den Unterschied zwischen Erinnerung/Phantasie auf der einen Seite und realer Erfahrung auf der anderen Seite eher unklar. Deswegen hat für sie eine absichtliche Rückerinnerung ein wesentlich höheres Bedrohungspotential, das sie meist abzuwehren versuchen.
  • Für Kinder von 4-7 setzen wir aus diesem Grund kürzere, spielerische und punktuellere Methoden wie die traumabezogene Spieltherapie ein. Die Spieltherapie nutzt gezielt die angeborene menschliche Fähigkeit zum freien Spiel, die angeborene kindliche Freude am spontanen impulsgesteuerten und scheinbar zweckfreien Spiel. Das Kind erobert sich spielend die Welt, es macht sich in seinen Spielen verständlich. Im freien Spiel zeigt das Kind nicht, was von ihm erwartet wird, sondern nach was ihm zumute ist.
  • Ein weiteres Element ist die Trauma-Erzählgeschichte. Die Geschichte, die dem Kind erzählt wird, enthält u.a. Elemente des erlebten Geschehens als auch einen Zugewinn an Kompetenz, sowie ein positives Ende als wichtigen Bestandteil der Geschichte. Durch die Verfremdung, z.B. durch eine Tierfigur oder einem anderen Namen, kann das Kind sich vom erlebten Geschehen distanzieren und es gleichzeitig verarbeiten.
  • Es wird einen Kreativ-Raum geben, in dem die Kinder großflächig mit Farben experimentieren können.
  • Resilienz-Förderung durch offene und klare Kommunikation, Beziehungsaufbau und Beziehungsförderung.  Gefühle zum Ausdruck bringen und dabei die Unterschiede akzeptieren, Humor und Ruhepausen, gemeinsames Verstehen sowie die Entwicklung von kreativen Ideen zur Lösung von Problemen sind Bestandteile dieser Förderung.
  • Stabilisierungsübungen zur Kontrolle von Gefühlen. Die Kinder lernen Gefühle wahrzunehmen, zu erkennen, zu benennen, zuzulassen und aushalten zu können. Bei traumatisierten Kindern ist die körperliche Stabilisierung sehr wichtig, da sie dauerhaft auf Gefahrenerkennung und Überlebenssicherung eingestellt sind. Die Etablierung objektiver und gefühlter Sicherheit legt das Fundament dafür, dass der Körper sich stabilisieren kann.
  • Der Notfall-Koffer: Für jede Reaktion auf einen Trigger muss ein passender Reiz gefunden werden, der situativ am wirkungsvollsten ist. Reize docken immer auf Sinnesebenen an und ermöglichen eine schnelle Re-Orientierung auf Stabilisierung von Stresszuständen. Ein Reiz für den Tastsinn könnte z.B. das Streichen mit einem Eiswürfel über die Arme sein oder einen Igelball kneten oder ein Gummiband auf die Haut schnippen lassen. Für den Geschmacksinn könnte man etwas Scharfes wie Chili oder Meerrettich, Bitteres, wie z.B. Muskatnuss oder Saures wie Zitrone, auf die Zunge legen oder essen. Für den Geruchssinn hilft ein beißender Geruch wie Ammoniak oder Essig.

Benennung der in der Hauptsache angewandten Methoden in Bezug zur Zielgruppe

Pädagogische Orientierung

Unsere Wohngruppe enthält den pädagogischen Ansatz sowie therapeutische Arbeit. Kinder mit Traumatisierungen haben einen höheren und intensiveren Bedarf. Durch die vorhergegangenen Erlebnisse sind sie oftmals schwerer zugänglich, skeptisch und sehr verunsichert. Um überhaupt einen wirklichen Kontakt in einer zuerst einmal fremden Umgebung zu sichern, setzen wir auf Bindung und Beziehungsarbeit. Die Stabilisierung steht hier zu Anfang im Vordergrund. Unsere Einrichtung wird aus maximal 6 Plätzen bestehen. Durch die kleine Gruppe ist ein intensiveres Arbeiten gewährleistet.

Jederzeit genutzt und auch zusätzlich vom Jugendamt  gebucht werden, können unsere erlebnispädagogischen Bereichen, wie dem  Tierprojekt an unserem Standort Wellie , dem Projekt Wald an unserem Standort Liebenau sowie dem Projekt Segeln am Standort Steinhuder Meer. Für die Wohngruppe gehört eine 2 malige Teilnahme pro Woche zum Standard. Uns  ist  der Alltag und die Integration dieser Kinder in die Gesellschaft wichtig.

Die Kinder profitieren von unseren erlebnispädagogischen Bereichen wie z.B.:

 Die tiergestützte Pädagogik

  • Hauptthema in diesem Baustein ist der Kontakt mit Tieren. Die Kinder werden lernen mit den Tieren umzugehen, die Versorgung und die Pflege durchzuführen. Ziel ist es, eine besondere Beziehung zwischen Menschen und Tier zu schaffen.
  • Soziales Miteinander zu fördern und zu stärken
  • Misserfolge zu akzeptieren und Durchhaltevermögen zu stärken
  • Aufeinander einzustellen, rücksichtsvolles Verhalten und Toleranz aufzubauen
  • Gemeinsam etwas zu erarbeiten und zusammen Ergebnisse festzustellen
  • Ängste abzubauen und zu überwinden
  • Aufträge gewissenhaft, konzentriert durchzuführen
  • Absprachen miteinander zu kommunizieren
  • Gruppenfähigkeit zu stärken und Teambezogen zu arbeiten
  • Gemeinsame Erlebnisse zu verbinden
  • Freundschaften zu knüpfen und zu stärken

Tiere, mit denen wir arbeiten, sind Pferde, Kamele, Ponys, Hasen, Meerschweinchen, Schweine, Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen, Schildkröten, Esel, Fische, Bartagame, Papageien, afrikanische Schnecken uvm.

Erlebnispädagik – Baumklettern

Es gilt für einzelne Aktionen das erlebnispädagogische Prinzip der Freiwilligkeit. Arbeitsinhalte werden gemeinsam mit den Kindern durch speziell ausgebildete Erlebnispädagogen geplant, abgestimmt, durchgeführt und anschließend besprochen. 

Erlebnispädagogik – Paddeln im Canadier

Hier lernen die Kinder:

  • die Aneignung von Kenntnissen, die die Möglichkeit eröffnen auf vorher schon bekannte Elemente wie Wind und Wasser Einfluss zu nehmen und positiv zu nutzen.
  • Kommunikation und Absprachen zwischen den Mitpaddlern
  • Vertrauen in die Fähigkeiten des Mitpaddlers
  • Direkte Umsetzung von Vereinbarungen
  • Abbau von Ängsten
  • Akzeptanz und Umsetzung von Anweisungen in der Gruppe
  • Bereitschaft, gute und schöne Momente zu genießen
  • Die Aufsicht ist durch geschulte Rettungsschwimmer gewährleistet

Erlebnispädagogik – Mitsegeln/Segeln auf dem Steinhuder Meer

Hier bieten wir den Kindern an, einen Nachmittag oder Tag in einem sicheren, kippstabilem  8 m Marinekutter auf dem Wasser zu verbringen. Die Fortbewegung erfolgt durch Rudern oder Segeln. Desgleichen soll es auch möglich sein, dass die Eltern bei Bedarf aktiv beteiligt sind. Die Leitung erfolgt durch pädagogische Fachkräfte, die mit dem Medium vertraut sind, Kenntnisse vorweisen und Sicherheit auf dem  Wasser gewährleisten können.

Erlebnispädagogik – Wald

Das ungestörte Setting in der Natur, ermöglicht den Kindern sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Das Sein in der Natur und die enge Begleitung durch  die Fachkräfte,  ermöglicht  eine  intensive Ressourcenbildung. Der Platz liegt mitten im Eickhofer Forst in Liebenau. Hier können die Kinder lernen, sich mit der Vielfalt der Natur zu verbinden, wie Spuren zu lesen, Laubhütten zu bauen, in der Jurte zu kochen uvm. Auf dem Gelände hat Trapez ein Einfamilienhaus angemietet. 

Durch unsere Häuser außerhalb haben wir verschiedene Möglichkeiten, gezielte Förderprogramme zu realisieren. So steht uns ein eigener angemieteter Therapieraum zur Verfügung, in dem wir auf Wunsch des belegenden Jugendamtes auch gezielte Maßnahmen wie Traumatherapie und andere Maßnahmen durchführen können.

Weitere wesentliche Methoden

  • Begleitung der Wahrnehmung von Eigenverantwortung, Selbstständigkeit
  • Psychologische Betreuung der Kinder
  • Traumapädagogische/therapeutische Begleitung
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsübungen
  • Übungen zum Aggressions- und Stressabbau
  • Übungen zur Stärkung der Selbstwirksamkeit
  • Ressourcenstärkung
  • Stabilisierungstechniken
  • Schulische Förderung
  • 2 Nachmittage (Projekttage) sind in der Entgeltvereinbarung enthalten

Angebote, die vom belegenden Jugendamt zusätzlich gebucht werden können, sind:

  • flexible Nachmittagsgruppe
    • 1:1 Betreuung / 2:1 Betreuung